Wen enteignet Helikoptergeld?

… und wen enteignet eine Hyperinflation?

Eine Volkswirtschaft besteht aus zwei Leuten.

A hat zwei Häuser, B nicht.

A nimmt ein Kredit auf und die Bank nimmt die Häuer als Sicherheit an, sagt „Die Häuser sind 10 Euro wert“ und gibt A einen Kredit von 10 Euro, der nun 10 Euro in der Hand, und 10 Euro Schulden hat. Die Häuser „gehören“ nun quasi der Bank, A kann sie aber probremlos zurückkaufen, für 10 Euro. B hat weiterhin nichts. Weder Haus, noch Geld, noch Schulden.

Der Helikopter kommt und schenkt jedem Bürger 5 Euro.

Nun hat A 15 Euro in der Hand, 10 Euro Schulden.  B hat 5 Euro. (Die fehlenden 10 Euro Schulden sind irgendwo auf der Bilanz der Zentralbank zu finden.) Die entscheidende Frage ist nun wohl: Wieviel sind die Häuser nun wert? Weiterhin 10 Euro? Das Helikoptergeld hat Inflation ausgelöst. Die Häuser sind die einzigen Vermögenswerte in der Volkswirtschaft und offenbar alles Geld der Welt wert. Da nun 20 Euro im Umlauf sind haben die Häuser nun einen Wert von 20 Euro. Preissteigerung hat stattgefunden. Zur Erinnerung: Die Häuser gehören der Bank. Auf jeden Fall ist es so, dass die Schulden von A bei der Bank weiterhin 10 Euro betragen, die er nun problemlos auf einmal zurückzahlen kann. Seine Schulden sind quasi „weg-inflationiert“. Nun hat A 5 Euro und die Häuser, B hat 5 Euro. Wieviel sind die Häuser nun wert? 10 Euro? Das würde bedeuten, dass B von A ein Haus kaufen kann und darin wohnen kann. Die Frage ist nur: Wird A das Haus verkaufen wollen? Wenn er an das Geld „glaubt“, dann ja. Wenn nicht, dann nicht.

Ohne Helikoptergeld besitzt A alles Vermögen und B (der keine eigenen Häuser, Arbeitskraft oder Ideen hat) hat keine Chance an das Vermögen zu kommen. B muss in dieser Situation darauf hoffen, dann A ihm ein Haus aus Wohltätigkeit schenkt. Alles in allem eine recht eintönige, unproduktive und frustrierende Situation.

Mit Helikoptergeld besitzt A weiterhin alles Vermögen, alle Häuser, aber sowohl A als auch B haben bunte Scheine in der Hand (jeweils 5 Euro). B kann nun versuchen A ein Haus abzukaufen für 5 bunte Scheine. Oder A kann B 5 bunte Scheine geben damit dieser vor seinen Häusern sitzt und den Aufpasser spielt (richtige Arbeitskraft hat B ja leider nicht). Alles kommt darauf an ob die Akteure an den Wert des Geldes „glauben“. Alles in allem hat sich wenig geändert aber die bunten Scheine bringen etwas Leben in die Wirtschaft. Wenn die Akteure dran „glauben“.

Allerdings:

Wenn A seine Schulden nicht zurückzahlt oder einen neuen Kredit, egal welcher Höhe, aufnimmt, dann hat auf jeden Fall eine Art Umverteilung von oben nach unten stattgefunden. Denn: Da die Häuser der einzige Vermögenswert sind ist das Geld in dieser Volkswirtschaft quasi ein Anrecht darauf Häuser (von der Bank) zu kaufen. Ohne Helikoptergeld hat nur A Geld. Mit Helikopergeld hat auch B Geld. Und beides ist „echtes“, völlig identisches Geld!

Gehen wir nochmal zurück zur Situation kurz nach dem Abwurf des Helikoptergeldes: A hat 15 Euro in der Hand, 10 Euro Schulden bei der Bank, die Häuser (die aber faktisch der Bank gehören). B hat 5 Euro. Egal ob die Häuser nun 10 Euro oder 20 Euro kosten (ich würd sagen, sie kosten wegen der Inflation nun 20 Euro). Es hat keine Umverteilung von oben nach unten stattgefunden. Dafür aber hat eine Geldumverteilung von unten nach oben stattgefunden. Es existiert Vermögen (Häuser) im Wert von 20 Euro. Vor dem Helikoptergeld hatte B nichts! Jetzt hat er 5 Euro und könnte (wenn A einwilligt) ein Teil der Häuser kaufen.

Ich würde sagen: Die Situation nach dem Helikoptergeld ist für den armen B nicht schlechter als vorher aber vielleicht besser (Wenn A das Geld haben will und ihm ein Teil der Häuser verkauft).

Ich weiß jetzt schon was als Antwort kommt: „Das Geld wird durch das Helikoptergeld entwertet!“, da es „einfach so“ in die Welt kommt. Das kann sein. Aber wir müssen uns vor Augen führen: Der Zentralbank, die das Helikoptergeld gemacht hat, ist alleine eins wichtig: Dass die Menschen produktiv sind und arbeiten und Werte schaffen. Die Situation vor dem Helikoptergeldabwurf war frustrierend und unproduktiv. B hatte kein Vermögen, keine Arbeitskraft und keine eigenen Ideen. A hat keinerlei Grund gesehen ihn anzustellen und ihm Geld oder ein Haus dafür zu geben. Es existierte zwar Vermögen (Häuser) die Wirtschaft war aber faktisch zum Erliegen gekommen. Alles Geld was existierte (die 10 Euro die durch den Kredit entstanden waren) hatten einen faktischen Gegenwert. Das führte aber dazu, dass A auf keinen Fall B (der nichts leisten kann) Geld geben wollte. Die Entwertung des Geldes und die Umverteilung des Geldes durch Helikoptergeld ändert nichts an der Vermögensverteilung, sorgt aber dafür, dass das Geld lockerer sitzt. A hat die Möglichkeit seine Schulden zurückzuzahlen. Der Druck ist von ihm genommen. A und B haben nun die Chance bei dem anderen irgendwas zu kaufen. Wenn A dem B einen Arbeitsvertrag gibt ist das Risiko nun geringer, da er den Kredit nicht mehr zurückzahlen muss. B kann A anbieten für 5 Euro ein Haus zu kaufen. Vielleicht geht A darauf ein. Vielleicht nimmt A das Geld an, in der Hoffnung es doch irgendwo oder irgendwann anders einzutauschen.

Die einzige die an Macht verliert scheint die Bank zu sein. Es existiert nun Geld auch ohne, dass die Bank Kredite gegeben hat. Es existiert 10 Euro und niemand hat Schulden bei der Bank. Die Minus 10 Euro sind in der Zentralbankbilanz, die das Geld aber nicht zurückhaben will.

Wenn wir davon ausgehen, dass A seinen Kredit unmittelbar nach Helikoptergeld zurückzahlt bzw. gar keinen aufnimmt ergibt sich folgendes Bild:

Vor dem Helikoptergeld existieren die Häuser in der Hand von A und kein Geld. Nach dem Helikoptergeld existieren die Häuser in der Hand von A und jeweils 5 Euro in der Hand von A und B und -10 Euro auf der Zentralbankbilanz die den Bürgern einen „Kredit“ gegeben hat damit sie sich um das Geld streiten (Wettbewerb), den sie nie zurückbezahlt haben will. Sobald nun A bei der Bank einen Kredit aufnimmt hat Umverteilung stattgefunden, da auch B Geld besitzt und niemand sehen kann welches das „echte“ Geld ist. Die einzige Möglichkeit das Helikoptergeld zu entwerten wäre wenn alle anderen Teilnehmer, also A und die Bank einen Pakt schließen um B zu „enteignen“. Wenn die Bank nun sagt, “ das Haus ist 10 Milliarden Euro wert“ und A einen Kredit über 10 Milliarden Euro gibt, dann sind die 5 Euro von B kaum noch was wert. Aber das ist eigetlich dann nur ein psychologisches und kein reelles Problem. Selbst bei dieser „Hyperinflation“ hat Umverteilung stattgefunden. B hat nun trotzdem mehr als vor dem Helikoptergeld, da die Hyperinflation nicht ins unendliche gehen kann.

Helikoptergeld bewirkt meiner Meinung nach auf keinen Fall eine Umverteilung von unten nach oben. Helikoptergeld bewirkt im schlechtesten Fall gar nichts, im guten Falle eine „Belebung“ der Wirtschaft durch bunte Scheine um die sich alle streiten, im besten Falle eine Belebung und eine Umverteilung von Vermögen hin zu den Ärmeren. Hyperinflation entsteht nur, wenn die Marktteilnehmer mit Vermögen (Häuser) versuchen das Geldgeschenkt an die Armen rückgängig zu machen und „wegzuinfaltionieren“. Auch bei dieser Hyperinflation, die eigentlich nicht durch die Zentralbank sondern durch die anderen Marktteilnehmer (A und die Bank in Reaktion auf die Zentralbankmaßnahmen) ausgelöst wird, findet im Grunde keine Enteignung statt, sondern der ursprüngliche Zustand vor dem Helikoptergeld wird wieder hergestellt. Der einzige der sich „enteignet“ fühlt, falls die Hyperinflation kommt, ist B, der aber sowieso nichts hätte. Genauso wie die Hyperinflation vor 100 Jahren nicht die Vermögenden enteignete sondern diejenigen die vom Staat „gedruckten Lohn“ erhielten, also eigentlich sowieso nichts verdienten.

Im Extremfall haben wir also die Wahl zwischen einer extremen Deflation (A besitzt Häuser, es gibt aber kein Geld, die Häuser kosten nichts und niemand wirtschaftet) und einer in (trotziger) Reaktion auf das Helikoptergeld ausgelöste Hyperinflation (A besitzt Häuser, es gibt Milliarden Euro in der Hand von A, die Häuser kosten Milliarden und B hat 5 Euro). Aber: Beide Extremfälle sind faktisch gleich!!!! In beiden Fällen besitzt A das Vermögen und es wird nicht gearbeitet. Die hohen Zahlen auf den Geldscheinen sind emotional aufrührend aber sie sind nichts als Zahlen.

Wenn die Hyperinflation allerdings nicht eintritt, weil die Marktteilnehmer keinen Bock auf solche Spielchen haben, und die Inflation in gemäßigtem Rahmen bleibt, haben wir auf jeden Fall die gewünschte Umverteilung von Reich nach Arm.

Außerdem ist nicht gesagt, dass Helikoptergeld die Hyperinflation auslösen wird. Denn: Wenn meine Theorie stimmt, dass die Hyperinflation quasi „mutwillig“ von vermögenden Marktteilnehmern ausgelöst wird um die Geldgeschenke „wegzuinflationieren“, dann würde Hyperinflation in diesem Falle alle Empfänger des Helikoptergeldes „enteignen“. Also auch einen selber (aber das ist egal) und vor allem (in einer Volkswirtschaft die aus mehr als zwei Teilnehmern besteht) die potentiellen Kunden des eigenen Unternehmens. Die produktiven Vermögenden, die Unternehmer profitieren vom Helikoptergeld, da es nun mehr Kunden gibt, die Geld in der Hand haben. Wenn die Preise nun zu hoch steigen fallen auch die neuen Kunden weg. Es ist also im Interesse der vermögenden Unternehmer die Preise nur soweit anzuheben, wie es der Höhe des Helikoptergeldes entspricht.

Der Unterschied von Helikoptergeld und historischen Hyperinflationsausösenden Geldgeschenken ist übrigens: Das Helikoptergeld fällt wie ein feiner Geldregen auf alle Teilnehmer. Nicht nur auf einzelne Staatsbedienstete oder subventionierte Unternehmen. (Übrigens hat nicht mal die Abwrackprämie oder die Konjunkturprogramm, bei der abgewrackte Wirtschaftsteilnehmer künstlich am Leben erhalten wurden eine Hyperinflation ausgelöst.)

Genau wie das BGE kann Helikoptergeld also nicht wirklich Enteignung der Vermögenden herbeiführen. Die einzige Art wirklich Umverteilung durchzuführen wäre brutale Staatsgewalt (Der Staat als Gewaltmonopolist nimmt A ein Haus und gibt es B). Das ist aber verboten.

Was aber machen wir nun wenn wir sehen, dass nicht mehr gewirtschaftet wird? Und genau das sieht die EZB. In unserem Beispiel ist es der vermögende A der einfach keinen Bock hat sein Geld oder ein Teil seines Hauses an B zu geben (Transaktion zu betreiben). Und er wird bestärkt von einem Staat der ihm sagt, dass er sparsam sein soll und auf keinen Fall solchen „faulen“ Laute wie B Lohn für „Nichtstun“ geben soll. Man kann A nicht zwingen B anzustellen oder Transaktionen mit ihm zu betreiben, Wenn A „Nö“ sagt, geht die Wirtschaft zu Grunde. In einer solchen SItuation (und die EZB und ich sind der Meinung wir sind in einer solchen Situation) gibt es eigentlich nur eine Lösung: Der Staat muss A etwas wegnehmen, ihn staatlich enteignen und B etwas geben. Nur dann wird B in die Lage versetzt Transaktionen mit A zu betreiben. Die Wirtschaft kommt wieder in Gange. Die wäre im Übrigen keine Planwirtschaft. Planwirtschaft wäre es nur wenn der Staat das Vermögen behalten und verwalten würde. Aber wie soll das gehen? Soll der Staat die Häuser der Vermögenden einziehen und zerteilen und es an alle verteilen? Nein, das ist offenbar praktisch nicht möglich. Alle Steuern die der Staat einzieht zieht er in Form von Geld ein. In unserem Beispiel müsste er also ein Teil der Zehn Euro, die A von der Bank als Kredit erhalten hat einziehen und es als BGE an alle verteilen. Das wäre vom Effekt her aber exakt das gleich wie Helikoptergeld. Wenn ein steuerfinanziertes BGE aber das gleiche zur Folge hat wie Helikoptergeld (und dass es so ist, das will ich jetzt hier nicht nochmal erklären), dann kann auch BGE theoretisch als Auslöser einer Hyperinflation herhalten.

Problem:

Laut einer verbreiteten Formel ergibt sich das Preisniveau aus (Geldmenge * Umlaufgeschwindigkeit) geteilt durch Transaktionsanzahl.

Was dabei oft nciht beachtet wird: Die Transaktionsanzahl ist der einzige wichtige Wert in dieser Formel der wirklich wichtig für die Menschen ist. Wenn Güter, Informationen und Dienstleistungen ausgetauscht werden (Transaktionen betrieben werden) dann ist das das was die Menschen brauchen. Und so kann es sein, dass zwar oberflächlich betrachtet das Preisniveau stagniert oder kleiner wird (Deflation) aber auch der Wohlstand der Menschen sinkt, da nicht nur die Transaktionen sinken sondern auch die Geldmenge und die Umlaufgeschwindigkeit. Was wir nun aber steigern müssen ist die Transaktionsanzahl! Das ist produktiv! Wenn nun die Geldmenge (und vielleicht auch die Umlaufgeschwindigkeit) durch das Helikoptergeld sehr steigt und die Transaktionsanzahl nur ein bischen steigt, dann haben wir zwar Inflation, aber trotzdem gewinnen die Menschen dadurch, da mehr Güter ausgetauscht werden, mehr gearbeitet wird.

Fazit:

Eine Umverteilung von untern nach oben kann ich weder beim BGE, noch beim Helikoptergeld sehen. Beides hat eher Umverteilung von oben nach unten zur Folge. Rückgängig gemacht werden kann diese Umverteilung nur durch Hyperinflation, die sowohl bei BGE, Helikoptergeld, Geschenke an Beamte oder andere Sozialausgaben folgen kann, aber nicht zwingend eintritt. Und selbst wenn sie eintritt ist sie nicht schlimm, weil einfch nur ein Zustand wiederhergestellt wird, der ohne den Eingriff des Staates oder der Zentralbank sowieso der Fall war.

Das einzige was wichtig ist: Es müssen Transaktionen betrieben werden, damit der Wohlstand wächst. Helikoptergeld kann ein Anreiz sein, da der Wettbewerb um die zusätzlichen bunten Scheine die Produktivität anregen kann. Das Risiko durch Helikoptergeld ist überschaubar. Im schlechtesten Falle ändert sich nichts. Im guten Falle bewirkt es eine „Belebung“ der Wirtschaft durch bunte Scheine um die sich alle streiten, im besten Falle eine Belebung und eine Umverteilung von Vermögen hin zu den Ärmeren. Im extremen Fall folgt eine Hyperinflation, die aber eigentlich nicht schlimm ist sondern einfach nur den Zustand vor dem Helikoptergeld wieder herstellt. Dementsprechend scheint es so, dass die „Geldvermögen“ die durch Helikoptergeld oder (Hyper-)Inflation entwertet werden sowieso nur Geldvermögen sind denen kein realer, produktiver Wert zu Grunde liegt (Beamtengehälter etc.).

Eine genauso schlimme Stagnation (sinkendes Preisniveau bei sinkender Transaktionszahl und sinkender Geldmenge und sinkender Umlaufgeschwindigkeit) kann auch bei nicht durchgeführtem Helikoptergeld geschehen. Wenn durch Helikoptergeld aber die Geldmenge und die Umlaufgeschwindigkeit steigt und dadurch nur ein bischen mehr Transaktionen stattfinden, dann hat die Gesellschaft auf jeden Fall gewonnen, auch wenn das Preisniveau steigt.

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