Der neue „Linksneoliberalismus“?

Und da jetzt ja offenbar allerorts die historische Chance genutzt wird um den „Helikoptergeld“-Gedanken und damit auch den Grundeinkommensgedanken zu zerreden, zum Beispiel dort http://www.heise.de/tp/artikel/47/47873/1.html hier die kurze Erklärung warum „Geld für Alle“ gut für die Wirtschaft ist:

Simplifiziertes Beispiel: Die Welt besteht aus 100 Menschen. Von den 100 Menschen hat einer alles Geld (so ähnlich wie in der Realität). Nun beschließt dieser eine Mensch sein Geld nicht rauszurücken. Nicht als Geschenk, nicht um etwas zu kaufen, nicht um Arbeiter anzustellen und Steuern zahlt er auch nicht, da er die Globalisierung nutzt um sein Geld dort zu lagern wo keine Steuern anfallen. Die Wirtschaft kommt einfach nicht in Gang weil das Geld auf dem Konto des Reichen rumliegt. Und die restlichen 99 Leute könen sich abrackern und sich als Arbeitskräfte oder ihre Produkte anbieten wie sie wollen. Wenn der Reiche sagt „Nö“ und einfach nichts bezahlt… Pech gehabt. Es wird dann nicht gehandelt, keine Erwerbsarbeit betrieben. Und das alles weil derjenige der das Geld hat „Nö“ sagt. Wenn nun aber der Helikopter kommt und jedem der 100 Menschen 1000 Euro schenkt… Dann ist die Chance sehr viel größer, dass von diesen 100 Menschen zumindest einer etwas kauft, oder einen Menschen für Arbeit bezahlt, oder Steuern zahlt…Helikoptergeld oder Grundeinkommen ist ein Mittel gegen die Monopolisierung von Geld. Es sorgt für mehr Wettbewerb. Das mögen manche „neoliberal“ nennen, vor allem diejenigen die der Meinung sind, dass der Staat gezielte Förderpolitik (für Banken, für Windräder oder was auch immer) machen soll. Ich nenne es einfach „demokratisch“. Helikoptergeld oder Grundeinkommen demokratisiert die Wirtschaft. Mit all den Nebenwirkungen die wir von der Demokratie kennen. Aber wir kennen leider nichts besseres…

Die historische Chance von der ich oben rede ist die: Offenbar haben Leute aus ganz unterschiedlichen Lagern erkannt, dass diese „Demokratisierung des Geldes“ wichtig ist. Das sogenannte „neoliberale“ Lager (Wirtschaftswissenschaftler, EZB etc.) nennt das ganze „Helikoptergeld“. Das sogenannte „linksalternative“ Lager nennt es Grundeinkommen. Die ersteren fordern es weil sie „Freiheit für die Wirtschaft wollen“ und die zweiteren weil sie „Freiheit für die Menschen“ wollen. Aber alles drum herum gerede nutzt nichts. Sie fordern exakt das gleiche! Geld für Alle. Und dies wird ganz offensichtlich Freiheit für die Menschen UND die Wirtschaft schaffen. Die „linksalternativen“ müssen nun erkennen und akzeptieren, dass ihre Forderung nach „Reichtum für Alle“ oder eben „Geld für Alle“ eine sehr antiauthoritäre, eine sehr liberale, um nicht zu sagen „neoliberale“ Forderung ist. Planwirtschaft ist etwas völlig anderes! „Geld für Alle“ funktioniert eher regellos, anarchisch und freiheitlich denn es überlässt den Marktteilnehmern die Entscheidung was sie mit dem Geld machen. Und die „neoliberalen“ müssen erkennen, dass die Verarmung von Menschen, in der Hoffnung diese Bemühen sich dann durch Arbeit an das Geld der Reichen zu kommen, nicht funktioniert. Wenn die Reichen das Geld nicht rausrücken können die Armen soviel ackern wie sie wollen. Dann geht die Rechnung nicht auf. Ist es offenbar doch so, dass der Spruch stimmt: „Was gut für die Menschen ist ist auch gut für die Wirtschaft“?

Offenbar ist es so: Das sogenannte „neoliberale“ und das „linksalternative“ Lager haben einen gemeinsamen Feind: Das reaktionäre und konservative. Der schwäbische Sparpolitiker ist der gemeinsame Feind derjenigen die Freiheit für die Wirtschaft und derjenigen die Freiheit für die Menschen wollen.

Genauso wie vor Hunderten Jahren unterschiedliche Lager für die Demokratie und gegen die Monarchie kämpfen. Bürger die wirtschaftliche Freiheit vor dem Monarchen wollten und Bürger die gesellschaftliche Freiheit vor dem Monarchen wollten.

Das „neoliberale“ Lager muss begreifen, dass die „linke Spinnerei“ Grundeinkommen gut für die Wirtschaft ist und das „linksliberale“ Lager muss begreifen, dass das „neoliberale Teufelszeug“ Helikoptergeld gut für die Menschen ist. Beide müssen begreifen, dass sie auf der Suche nach der Wahrheit das gleiche gefunden haben. Wenn stattdessen die beiden Lager die Idee des anderen Lagers zerreden, weil es ja nicht sein kann, dass „der Feind“ recht hat, dann wird eine historische Chance vertan.

Stattdessen erleben wir allerorts zwar die Querfront, die Vereinigung von Nationalismus und Sozialismus, die sich in Ausdrücken wie „Nationale Standards“ oder „Jobs for all Americans“ oder „Jobs für alle Deutsche“ manifestiert. Was aber offenbar viel nötiger ist ist eine Art „Linksneoliberalismus“, der erkennt, dass das liberale, das anarchische, das freiheitliche nicht nur gut für die Wirtschaft sondern auch sozial, also gut für die Menschen ist. Wenn das „linke“ Lager auf den „Neoliberalismus“ schimpfte, dann meinte es nämlich meist keinen wirklichen Liberalismus sondern eine Art Pseudoliberalismus bei dem Umverteilung von unten nach oben als „liberal“ getarnt daherkam. Wenn nun offenbar einige Wirtschaftswissenschaftler herausfinden, dass „Helikoptergeld“ die Wirtschaft ankurbelt, dann sind sie auf dem Weg zurück zu eine wirklichen Liberalismus der nicht einfach „die Reichen stärkt“ sondern jeden stärkt, jedem Menschen Möglichkeiten gibt die er nutzen kann. Die spannende Frage wird allerdings sein, ob die Menschen aus dem „linksalternativen“ Lager, die noch für das Grundeinkommen streiten, dies auch noch tun werden wenn ihnen klar wird, wie liberal der Grundeinkommensgedanke ist, dass nämlich es den Menschen völlig freisteht ob sie ihr Grundeinkommen für Ökostrom und regional angebauten Salat ausgeben oder für billiges Bier in Blechdosen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: