Aus einem „Weltstaat“ kann man nicht auswandern. Aus der „globalen Anarchie“ auch nicht.

Da ich ja, bekanntlich (aber leider bin ich ja reletiv unbekannt, deshalb ist das relativ zu sehen…) ein Freund des Gedankens der „globalen Demokratie“ bin, der irgendeine Art von „Weltstaat“ vorraussetzt, möchte ich mich mal mit einem oft genannten Vorurteil auseinandersetzen das immer wieder genannt wird wenn es um echte politische Globalisierung geht.

Das Argument heißt kurz gefasst:

Aus einem „Weltstaat“ kann man nicht auswandern.

Jemand der dieses Argument anwendet geht also davon aus, dass bei einem „Weltstaat“ (ob hier ein zentralisitischer, föderaler sonstwas gemeint ist, sei mal dahingestellt) der „Wettbewerb der Nationen“ ausgehebelt wird. Und zu diesem „Wettbewerb der Nationen“ scheint es, laut der Leute die dieses Argument gebrauchen, offenbar zu gehören, dass man sein Land wechseln kann wenn es einem nicht gefällt. Ganz nach dem (rechtsradikalen) Motto „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!“? Wie Schwierig es sein kann sein Land zu verlassen und „ein besseres“ zu suchen, zeigt sich übrigens grad bei der Flüchtlingskrise, aber dies nur am Rande erwähnt.

Ich möchte nur ganz kurz und simpel zeigen warum ich das genannte Argument nicht teile, um es mal vorsichtig auszudrücken. Um es deutlicher auszudrücken, ich find das Argument blödsinnig.

Zur Einstimmung hier ein Schaubild was jemand über die politischen Ebenen in Deutschland gemacht hat:

http://mephisto976.de/sites/mephisto976.de/files/styles/max_width_article/public/atoms/images/ebenen.png?itok=jWA5v4vt

Es zeigt: Über der europäischen Ebene gibt es nichts. Es gibt keine globale politische Ebene auf der wirkliche Entscheidungen gefällt werden. Da es die Globalisierung, da es etwas globales aber gibt, muss man den globalen Zustand aber trotzdem irgendwie beschreiben können. Ich beschreibe ihn als „globale Anarchie“. Heißt: Auf der globalen Ebene handeln souveräne Nationen und Staaten (oder kontinentale Staatenbündnisse wie die EU) miteinander ohne in ein politisches globales System eingebunden zu sein. Kennzeichen einer solchen „globalen Anarchie“ ist es übrigens, dass das „Gesetz des Stärkeren“ gilt. Manche Globalisierungsgegner haben das ja durchaus erkannt, indem sie zum Beispiel kritisieren, dass sich bei der G7 Gruppe nur eine Handvoll selbsternannte starke Regierungen treffen und der Rest außen vor bleibt. Die Abwesenheit eines „echten Weltstaates“ ist also gleichzeitig die Anwesenheit einer „globalen Anarchie“, eines „ungezügelten Wettbewerbs der Staaten“.

Und viele Gegner der „globalen Demokratie“ übersehen schlicht und einfach:

Auch aus der „globalen Anarchie“ kann man nicht auswandern!

Wenn ich nicht zufrieden mit dem „politischen Zustand der Welt bin, in dem eine „globale Anarchie“ herrscht und ein „ungezügelter Wettbewerb der Staaten und Nationen“ stattfindet, dann kann ich diesen Zustand nicht verlassen! Ich kann nirgendwo auf der Welt mich niederlassen wo keine „globale Anarchie“ ist. Ich kann nirgendwo auf der Welt sicher vor den Auswirkungen der „Kämpfe der Nationalstaaten gegeneinander“ sein.

Auf drastische Art und Weise kann man dies so deutlich machen: Die Insassen des niederländischen Flugzeuges, das über der Ukraine (von wem auch immer) abgeschossen wurde, wurden Opfer der Kämpfe die in der „globalen Anarchie“ zwischen Staaten (oder Volksgruppen, wie man es auch immer sieht) stattfinden. Diese Menschen wurden nicht gefragt ob sie in einer solchen Welt der „globalen Anarchie“, mit Kriegen und „Wettbewerb der Nationen“ leben wollen oder ob sie lieber in einer Welt mit einer echten globalen und demokratischen Friedensordnung leben wollen. Sie hatten gar keine Wahl. Sie mussten in dieser Welt leben, in ihr reisen und wurden ihr Opfer. Man hat keine Möglichkeit der „globalen Anarchie“ zu entfliehen.

Nun würden manche sagen: „Dann bleib doch zu Hause“. Aber über dieses blödsinnige Argument schreib ich vielleicht ein andermal.

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