Über FIFA und globalisierte Politik

Und für alle die darauf gewartet habe, dass ich die aktuellen Vorgänge in der „Fußballweltregierung“ FIFA nutze um etwas über „Global Democracy“ zu schreiben, bittesehr:

Ich finde dass ja ganz interessant, diese Sache mit der FIFA. Also generell… Das ist ja quasi die Weltregierung des Fußballs. Und man sieht welche Probleme es geben kann bei so einer mächtigen und konkurenzlosen Organisation. Aber niemand will auf eine FIFA oder generell auf eine „Weltfußballregierung“ verzichten zu gunsten von „souveränen Nationalverbänden“. Keiner kann sich vorstellen, dass es keine Fußball-WM mehr gibt (für dessen Organisation eine „Weltfußballregierung“ nötig ist) und dass es keine weltweit einheitlichen Regeln für Länderspiele oder generell internationale Spiele gibt.

Wenn es so laufen würde wie derzeit in der internationalen Politik, dann würden „souveräne Nationalverbände“ miteinander internationale „Regel-Abkommen“ abschließen, was dann dazu führen könnte, dass Spanien und Argentinien sich auf unterschiedliche Standards bei den Regeln geeinigt hätten als Polen und Kamerun…

Wie gesagt, die Existenz der FIFA zeigt die Problematiken einer solch mächtigen globalen Organisation der alle andern Verbände untergeordnet sind. Beim Fußball führt es dazu, dass viele jetzt Reformen oder „Demokratisierung“ der FIFA fordern, wie auch immer das dann ausehen mag. Beim Boxen führten Probleme dazu, dass es konkurrierende Weltverbände gibt. Aber ist es besser wenn man sich stattdessen um die Existenz einer „Weltregierung“ herumdrückt, so wie in der internationalen Politik derzeit?

Das Beispiel Sport zeigt ja, dass mit der Existenz einer solchen globalen „Regierung“ der Wettbewerb der Systeme (der von den Verfechtern absolut souveräner Nationalstaaten immer wieder hervorgehoben wird) nicht vollkommen verschwindet. Wenn die Organisation (wie am Beispiel FIFA, oder auch IOC) so mächtig ist, dass eine Konkurenzorganisation sinnlos erscheint, dann werden Forderungen nach Reformen aufkommen. Der Wettbewerb der Systeme findet dann in der Organisation statt. Wenn die Organisation schwach ist, dann können Konkurenzorganisationen (wie beim Boxen) aufgebaut werden, die dann nicht durch Grenzen getrennt sind, sondern einfach unterschiedliche Regelsysteme und eben unterschiedliche Organisationen sind.

In der Weltpolitik macht die Forderung nach Reformen oder Demokratisierung der Weltpolitik derzeit wenig Sinn, weil es gar keine richtige Weltpolitik gibt. Und jeder Versuch „ein bischen“ Weltpolitik einzuführen, in bestimmten Bereichen oder in begrenztem Maße (sei es G8, EU, WTO, Freihandelsabkommen oder was auch immer), wird dann von unterschiedlicher Seite bekämpft. Gegen die G8 Treffen kann man aus zwei Gründen grundsätzlich sein: 1. Weil man generell gegen Internationalisierung ist und für absolut souverände Nationen und abgeschottete Regionen. 2. Weil man für eine demokratische und multilaterale Form der Globalisierung ist. Bei Variante 1 (die Nazi-Variante…) ist Hopfen und Malz verloren, deswegen will ich da gar nicht viel drüber schreiben. Bei Variante 2 wird es komplizierter. Wenn man nämlich eine multilaterale und demokratische Globalisierung will, wie kommt man da hin? Indem man sie Hopplahopp und Plopp und plötzlich einführt? Warum wurde die WTO als multilateraler Weg dann so kritisiert von Globalisierungsgegnern? Jetzt haben wir den Salat. WTO funktioniert nicht mehr und stattdessen gehen die starken Staaten eigene Wege und kooperieren über G8 und Freihandelsabkommen, ein typischer Ausruck einer globalen Anarchie. Was erscheint jetzt der realistischste Weg um zu einer multilateralen und demokratischen Globalisierung zu kommen? Manche sagen jetzt, dass Freihandelsabkommen ein Weg sind um „klein anzufangen“. Zuerst setzen EU und USA Regeln, andere nehmen sich daran ein Beispiel, und so wird die Sache nach und nach größer und mehr Länder nehmen teil und wenn es dann größer ist, dann kann der Ruf nach Demokratisierung laut werden usw.

Es gäbe natürlich auch einen anderen Weg zu einer echten multilateralen und demokratischen Weltordnung. Ein Autokrat gründet eine autoritäre Weltregierung und diese refoermiert sich dann von innen heraus nachdem der Ruf nach Demokratisierung laut wurde…

Viele Globalisierungsgegner gehen meiner Meiung nach einen zweifelhaften Weg. Sie lehnen jede Internationalisierung ab die irgendwelche zu kritiierenden Punkte enthält. Sie lehnen jede Internationalisierung ab die nicht perfekt ist. Mal werden die Entwicklungsländer nicht sofort mitgenommen, mal sieht es nach Elitenprojekt aus, mal wirkt es generell „neoliberal“ usw. Die Folge ist, dass diese Globalisierungsgegner, die sich nicht mit einer „unperfekten“ Internationalisierung der Politik (die dann später perfekt werden kann) anfreunden können damit die Steilvorlagen für die „Nazi-Variante“ der Globalisierungskritik liefern, nämlich die Abschottung der Nationen und Regionen.

Die FIFA als „Weltfußballregierung“ setzt globale Regeln. Das führt oft zu guten, manchmal auch zu seltsame Ergebnissen (wie die Golden Goal Regel, die sofort wieder abgeschaft wurde (oder war es die UEFA?)). Auf jeden Fall führt es dazu, dass Internationaler Fußball gespielt werden kann und alle Länder teilnehmen können und auch Mannschaften aus Fußball-„Entwicklungsländern“ eine reele Chance haben am weltweiten Wettbewerb teilzunehmen. Bei der Wahl des FIFA Bosses sieht man sogar, wie die Bedeutung der Länder aus Afrika und Asien zunimmt, gegenüber den reichen aber weniger zahlreichen Ländern.

Dadurch, das keiner auf die tolle Fußball-WM verzichten will, und damit niemand auf die Existenz einer „Weltfußballregierung“ verzichten will, haben wir den glücklichen Umstand, dass wir in Real-Life anschauen können wie eine Art Weltregierung seine Problem löst, sich reformiert, oder auch nicht. Und wir sehen wie die Bedeutung der großen und reichen Staaten in so einer Weltregierung abnimmt, da sie zwar reich sind, aber nicht die Mehrheit stellen. Dies ist wahrscheinlich auch ein Grund warum ganz viele Europäer nach „mehr Demokratie“ in ihren Ländern rufen aber  kaum ein Europäer nach einer demokratischen Weltregierung schreit wo er in der Minderheit wäre…

http://www.sueddeutsche.de/sport/blatter-unterstuetzer-bei-fifa-wahl-frankreich-brueskiert-uefa-1.2500506

http://www.focus.de/sport/fussball/fifa-skandal-im-news-ticker-jetzt-live-aus-zuerich-sepp-blatter-spricht-nach-skandal-tagen-der-fifa_id_4717060.html

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