Kleiner Kiel Kanal: Große Werbetrommel und ein wenig Beteiligung.

Wie sieht Bürgerbeteiligung bei einem Projekt aus, wo die Planungen schon sehr weit fortgeschritten sind? Kleiner Kiel Kanal Vorstellung

Die Antwort lieferte gestern die Verwaltung der Landeshauptstadtkiel bei der Veranstaltung zum Thema Kleiner Kiel Kanal. Und bei der hieß die Devise „Klotzen statt Kleckern“. Oberbürgermeister und Bürgermeister warben in Redebeiträgen um Unterstützung. Die Architekten stellten Planungen bis in die Details vor und machten keinen Zweifel: Dies soll ein ambitioniertes Projekt werden. Selbst die Oberflächenstruktur der Bodenbeläge wird dargestellt. Hier soll nichts dem Zufall überlassen werden. Die Kieler Verwaltung scheint fest entschlossen wie nie dieses Projekt durchzuführen. Nur die Ratsversammlung muss noch endgültig zustimmen. Bei der Kooperationsmehrheit von SPD, Grüne und SSW aber eine Formsache. Und da reichlich Fördergelder vom Land fließen sollen fällt die Entscheidung der Kooperation wohl noch leichter.

Nun gut, die Form des Wasserbeckens scheint klar, logisch denn es gab bereits einen Architektenwettbewerb wo sich das Büro durchsetzte das den „rechtwinkligen“ Entwurf lieferte, die Grundsatzfrage stellte an diesem Abend niemand. Was bleibt da also den Bürgern noch an Mitentscheidungsmöglichkeiten? „Viele“ war die Antwort der Verwaltung, und so schrieben die Bürger ihre Wünsche auf Zettel und bastelten an einem Extra-angefertigten Model. Ja, selbst ein großes Model, zwar aus Styropor aber immerhin, hatte man auf Wunsch des Architekturbüros anfertigen lassen. Obwohl vor einigen Wochen in der Ratsversammlung der Antrag von FDP und (damals) Piraten abgelehnt wurde ein Model zu bauen um den Schattenwurf der umgebenden Bebauung zu simulieren.

Ob und wie die Wünsche der Bürger berücksichtigt werden bleibt abzuwarten. Die Bürger konnten zwar ihre Wünsche aufschreiben. Dass sie bei der Ausführung Berücksichtigung finden garantiert ihnen aber keiner. Ein Bürgerentscheid steht selbstverständlich auch nicht zur Debatte… Und die Grundsatzfrage wurde nicht mehr gestellt. Man beruft sich immer noch auf den Workshop von 2009 bei dem schon ein Kleiner Kiel Kanal diskutiert wurde und keiner der Bürger laut aufschrie. Die Grundsatzdiskussion ob solch ein Wasserbecken oder vielleicht ein geräumiger und zentraler (Markt-)Platz, der Kiel eigentlich dringend fehlt, die Innenstadtsituation verbessert wurde meiner Ansicht nach nie ernsthaft diskutiert. Die Frage des fehlenden zentralen Platzes wird die Stadt noch weiter beschäftigen, was man schon an den Diskussionen zum Thema „Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz sieht.

Eins ist aber klar: Die Verwaltung geht in die Werbeoffensive für dieses Projekt und will es mit aller Kraft durchziehen. Selbst Oberbürgermeister Kämpfer stellt sich jetzt entschieden hinter das Projekt. Kaum Vorstellbar, dass seine SPD (zusammen mit den Grünen) ihm in den Rücken fallen wird.

Die Piraten sind gegen das Projekt, haben das im Wahlkampf so kommuniziert, und wenn es Piraten im Rat gäbe, sie würden dagegen stimmen. Ich persönlich finde, man hat eine Chance vertan und nie ernsthaft geprüft ob der Berliner Platz in Verbindung mit der Holstenbrücke der große zentrale Kieler Platz werden kann, wo nicht nur Weihnachtsmärkte stattfinden können, und zwar mit bester Fußgängerzonenanbindung (Wie die Standbetreiber es wünschen) und in Sichtweite vom Hafen. Dass so eine Alternative nicht geprüft wurde lag daran, dass diese und weitere Ideen nicht ihren Weg ins Rathaus gefunden haben. Alle paar Monate oder Jahre eine pressewirksame Publikumsveranstaltung ist zwar schön um gute Bilder zu bekommen und die Werbetrommel für bestimmte Projekte zu rühren. Kiel braucht aber eine ständige Bürgerbeteiligung und einen offenen Anlaufpunkt wo Ideen zur Weiterentwicklung der Stadt kontinuierlich einfließen können.  Ein Beirat für Stadtgestaltung der öffentlich tagt kann ein erster Schritt sein. Was aber selbst dann noch fehlt ist der zentrale Anlaufpunkt wo Bürger, (externe) Experten, Verwaltung und Politik gemeinsam nicht nur einzelne Bausünden verhindern sondern langfristig die städtebauliche Entwicklung dieser Stadt diskutieren und planen.

Sonnenstand

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: