Eine Generationenfrage?

Als Reaktion darauf und ein paar Mails auf einer Mailingliste:

Der Bundesparteitag 14.2 – Die Partei – Meine Gedanken.

Ich hoffe ich bekomme beim Smartphone-getippse es hin ausgewogene Worte zu diesem heiklen Thema zu finden… Ich kann das was Torge schreibt („für junge Leute nicht mehr attraktiv“) verstehen, ich hab seid langem den selben Eindruck. Wobei ich mit 36 sicher eigentlich auch schon einer der älteren sein müsste, es komischerweise aber nicht bin. Ich hab bei so einer Gelegenheit immer eine Situation vor Augen, die ein paar Monate nach der Landtagswahl 2012 sich mir bot: Eine junge Frau, die von der Optik her zum Plakat „Ich will so leben wie ich bin“ passte kam zum Stammtisch und sagte bei der Vorstellungsrunde „mein Thema ist, -Ich will so leben wie ich bin-„. Danach hab ich sie nie wieder gesehen. Wie die übrigen 30 Besucher des Stammtisches aussahen muss ich euch glaube ich nicht sagen… Zumindest sahen sie nicht so aus wie von besagtem Plakat…

Da ich grad für nichts kandidiere kann ich wohl mal ein bischen provokant sein und noch weiter gehen als Torge: Wir leben in einer Gesellschaft die politisch, wirtschaftlich und kulturell von den geburtenstarken Jahrgängen der Nachkriegszeit dominiert wird. Die Grünen sind meiner Ansicht nach DIE Partei dieser Generationen. Über die Feinheiten lässt sich diskutieren aber ich will es mal so stehen lassen. Bevor die Piraten aufkamen hörte ich immer wieder den „Vorwurf“ an meine und jüngere Generationen gerichtet, dass wir uns politisch nicht regen, obwohl wir soviel anzuprangern hätten (und zwar nicht nur Probleme der Umwelt um uns herum sondern Probleme die unser eigenes Leben und unsere eigene Existenz und Zukunft betreffen). Mit dem Auftreten der Piraten bekam ich die Hoffnung dass auch die jetzt „jüngeren“ Generationen ihre (betechtigten) Anliegen artikulieren. Dementsprechend war „klassische“ Netzpolitik zugegebenermaßen sogar eher zweitrangig als ich zu den Piraten kam (obwohl das natürlich für jeden der mit dem Computer arbeitet zwangsläufig Thema ist, aber das muss ich hier nicht ausführen…). Ein spezielles und wohl eher ungewöhnliches Thema was mich damals zum Beispiel beschäftigte war die Frage wie Minderheitenpositionen in einer von Mehrheiten dominierten Demokratie berücksichtigt werden sollen/können. Und dazu gehört auch die Frage wie eine zahlenmäßig geringe Anzahl jüngerer Generationen ihre Anliegen in einer überalternden Gesellschaft vortragen kann. Schwieriges Thema, aber selbst bei den Piraten zeigt sich die Relevanz dieses Themas. Die Piratenpartei wurde von Leuten aus den geburtenstarken Jahrgängen nahezu überrollt. Und auch die politischen Forderungen dieser Generationen, die die Zeit der Anti-AKW Proteste prägten, rollten über die Piraten, weshalb heute viele sagen, wir sind einfach ne schlechte Kopie von Grünen mit n bischen Linkspartei. Auch hier kann man über die Feinheiten diskutieren, aber der Deutlichkeit wegen will ich es mal so stehen lassen.

Die Frage der Generationengerechtigkeit wurde ja immer wieder mal versucht zu thematisieren, nicht nur von jungen Piraten (Ute Behrens (+40) bekam auf einem LPT einen entsprechenden Antrag durch der Monate später „wieder einkassiert“ wurde. Katharina Nocun (+20) thematisierte es zurzfristig im Bund (War auch eher glücklicher Zufall dass sie PolGF war und hatte meiner Meinung nach nicht viel mit diesem Thema zu tun). Aber größtenteils wird das Thema Generationengerechtigkeit bei uns klein gehalten und unterdrückt mit Pseudo-Sozialpolitischen Argumenten wie „Wir dürfen doch alt und jung nicht gegeneinander ausspielen!“

Auch was mögliche Ursachen und Lösungen für dies Dilemma angeht verzichte ich mal auf Vollständigkeit zugunsten der Polemik (Das mit der Ausgewogenheit hab ich schon aufgegeben..). Eine ist natürlich die nüchterne zahlenmäßige Überlegenheit der „älteren“, die nicht nur die Piratenpartei „überrennen“ können. Und natürlich eine Fixierung auf die demokratische Mehrheit durch die man, wie die anderen Parteien halt auch, zwangsläufig auch bei den zahlenmäßig starken Generationen und ihren Wünschen und politischen Zielen landet. Das mit dem „Nicht zu Potte kommen“ will ich erstmal nicht kommentieren, aber manchmal habe ich, auch bei Leuten die jünger sind als ich, so eine Art „Papa Schlumpf“ Syndrom bemerkt. Die Sehnsucht nach dem alten (meist Mann) „der das kann mit der Politik“ oder gar ein masochistisches Hinwenden zu den (Möchtegern)-Dieter Bohlens dieser Welt, die alles in Grund und Boden kritisieren und sich dann als väterlicher Retter aufspielen der einige wenige belohnt und jeder hofft zu den wenigen zu gehören. Ich sag nur Castingshow-Gesellschaft. Was wäre die Alternative?

Nun, manchmal frage ich mich warum viele „jüngere“ (Politiker) nicht mehr die Leute in ihrem Alter oder die nur etwas älteren unterstützen, stattdessen sich an die erwähnten „Papa Schlümpfe“ klammern. Ich fürchte der Hauptgrund ist hier ein irrsinniger Konkurrenzgedanke der uns eingebleud wurde. Die jungen kämpfen untereinander um einen virtuellen Arbeitsplatz und sozialpolitische Fürsorge bedeutet für uns immer nur Fürsorge für die Alten. Wir haben immer noch das Bild im Kopf was wir jahrzehntelang in Kindergarten, Schule und/oder Uni erlebt haben. Viele gleichaltrige oder etwas jüngere oder etwas ältere kämpfen um die besten Noten und die Anerkennung der wenigen sehr viel älteren. Wir wissen dass nur einige von uns es schaffen werden und jeder hofft dass er derjenige sein wird. Der Gedanke aber, dass einer der älteren (Lehrer) nicht mehr seine Position hat ist für uns so unvorstellbar, dass wir jeden solchen Fall sofort als unerhörlichen Sozialfall sehen und wir selbstverständlich rufen, dass für die Alten immer genug da sein muss, komme was wolle oder gar automatisch ältere Leute in Amt und Würden wählen, weil es uns ja ach so Normal erscheint, dass ein „Papa Schlupf“ die Regierung führt…

Klar, ein 30jähriger, selbst eine Katascha, klingt agressiv wenn sie solche Positionen vorträgt, und wir wollen ja keine Revolutionäre, sondern brave Schüler, die bei der Cadtingshow die Vorgaben erfüllen… Aber das kanns doch nicht sein…

Mich deprimiert das wirklich wenn ich sehe, dass meine und die jüngeren Generationen es schon wieder vermasseln eine eigene pilitische Präsenz aufzubauen. Dabei gibt es so viel ungelöste Probleme, die die vorhigen Generationen und „ihre“ Parteien nicht lösen. Die Frage der Generationengerechtigkeit, der neuen Technologien und des Internets sind nur einige. Die Sozialpolitik heutzutage ist ein Spiegelbild dessen was die vorherigen Generationen beanspruchen. Ich will das jetzt nicht im Detail aufführen aber mich hat eine Sache in den letzten Monaten echt sprachlos gemacht: Wie der Leiter des Kieler Jobcenters (2 Monate vor seinem Wechsel) ohne Probleme raus sagt „Sanktionen für unter 25 jährige sind zwecklos“. Sonngemäß… Was für eine Kapitulation! Der Hauptaspekt auf dem unser Sozialsystem derzeit aufbaut (Belohnung und Sanktion) funktioniert einfach nicht! Und wen interessierts..? Und wen interessiert wenn ich sage dass diese Schlechterstellung von jungen Leuten System hat weil die anderen Parteien ja die wählerstarken Generationen zufrieden stellen müssen? Dann heißt es „Nein, du kannst doch nicht jung gegen alt ausspielen!“ Ach komm ey… Willkommen in der Castingshow. Und selbst ein Christopher Lauer gewinnt die Show nicht, trotz aufopferungsvoller Darbietung. Warum?? Zu schlecht? Muss er noch weiter auf dem Catwalk üben um die alten Herrschaften zu überzeugen? Oder zu wenig unterstützung seiner eigenen Generation die sich im Kampf untereinander selber bekriegt und gespalten hat? Und wieder die Parallelen zur Cadtingshow… Trotz des gleichen Schönheitsideals bei individuellen Unterschieden teilen sich die Kandidaten in Lager. Und bei uns? Da müssen die politischen Unterschiede schon mit absurden Versuchen herbeigeredet werden um das Bekämpfen zu rechtfertigen. Und so steigt das Alter des Vorsitzenden mit jedem Jahr. Und mir ist auch schon ganz übel…

Um zum Ausgangspunkt zu kommen: Torge hat eine heikle Situation gut erkannt. Aber die Konsequenzen sind nicht leicht. Wenn man sich von dem Wunsch verabschiedet die demokratische Mehrheit in der Gesellschaft zu finden und es akzeptiert, dass man auch relevante Minderheiten anspricht und auch Themen der „Nach-Anti-AKW“ Ära anspricht, dann kann etwas gelingen.

Ich könnt da noch einiges zu schreiben, aber soweit erstmal…

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