Voll die Beschäftigung!

Kaum stimmt die Basis ab, schon gibt’s Gemecker.

Im Parteiprogramm betrachten die Piraten ab sofort „das Streben nach absoluter Vollbeschäftigung als weder zeitgemäß noch sozial wünschenswert“.

Nun werden aber sofort Stimmen laut (vielleicht auch aufgeschreckt durch Medienberichte?), dass man das schnellst möglich ändern muss. Zwischen den Zeilen kann man vielleicht sogar den Vorwurf lesen -Die Basis habe aus Versehen dafür gestimmt, gar nicht richtig den Antrag gelesen-.

Ist das Recht auf -Teilhabe am Wirtschaftsleben- , das sich aus dem restlichen Wirtschaftsprogramm herauslesen lässt, gleichzusetzen mit dem -Recht auf Arbeit-?

Zu dem Thema wird es in naher Zukunft wohl umfangreiche Diskussionen geben. Ich will nur kurz ein interessantes Erlebnis teilen: Abends im Mumble (Piraten Sprachkonferenz) erwähne ich in kleiner Runde den Fall mit der Vollbeschäftigung als Beispiel für den Umgang mit Parteitagsbeschlüssen. Anstatt weiter über das eigentliche Thema zu diskutieren melden sich gleich einige Piraten, darunter auffällig einige -Urpiraten-, zu Wort: „Vollbeschäftigung IST unmöglich!“ tönt es wie aus der Pistole geschossen. Wie gesagt, vor allem von einigen -Urpiraten-, ich würde sogar sagen, klassischen Nerd- und Gamer-Piraten, die natürlich weder bei den Sozialpiraten, noch bei der AG-Geldordnung oder ähnlichem je aufgetaucht sind. Vielleicht ist es gut manchmal auch mal Wirtschaftspolitik mit Leuten zu diskutieren, die scheinbar Fachfremd sind aber einen ganz eigenen Blick auf das jewelige Thema haben, aus einer ganz bestimmten Perspektive ein Thema betrachten.

Ich glaube des Rätsels Lösung findet sich zum Beispiel im Text „Theorie zur Unmöglichkeit von Vollbeschäftigung“ auf Wikipedia. Die Digitalisierung und Produktivität lässt langfristig Arbeit verschwinden heißt es dort. Eine Konsequenz ist die Forderung nach einem Grundeinkommen. Digitalisierung und Grundeinkommen, das sind ja gleich zwei Piraten-Wünsche auf einmal! Nunja, eher das zweitere ist ein Wunsch, das erstere ist schon da.

Mir zeigt das nur, dass die Theorie, dass Vollbeschäftigung nicht mehr möglich ist, tief bei den Piraten verwurzelt ist. Und zwar bei den Piraten die sich formiert haben lange bevor sich Laien-Sozialpolitiker aus allen Lagern die Piraten als Spielwiese suchten. Man muss die Piraten halt versuchen verstehen, dann versteht man auch warum es diese Passage ins Programm geschafft hat. Vielleicht hat sich die Basis ja doch was dabei gedacht?

Die Frage, die sich mir stellt ist: Ist vielleicht auch die generelle Forderung, dass Menschen die Möglichkeit zur Teilhabe am Wirtschaftsleben haben müssen, die ich auch unterstützte und sogar mittels Anträgen eingebracht habe, eine Forderung die zu den Piraten passt? Das ist eine schwierige Frage. Ich gehe ganz einfach von der Annahme aus, dass Einkommen, Geld (zum Beispiel aus BGE) in erster Linie die Teilhabe am Wirtschaftsleben ermöglicht. Auch Einkaufen ist Teilhabe am Wirtschaftsleben… Deshalb finde ich, dass diese Aussage durchaus bei den Piraten gut untergebracht ist. Aber Vollbeschäftigung als -Jeder hat eine Arbeit und wird dafür bezahlt- ? Da muss noch einiges geschehen, dass ich mich mit dem Gedanken anfreunden kann, dass die Piraten dies fordern.

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