Musikkonsumenten mal anders…

Oft wird ja beklagt, bzw diskutiert, dass Künstler, zum Beispiel Musiker kein Geld verdienen.

Das was ich nun schreibe ist zwar tragisch und traurig, vielleicht auch desillusionierend, aber es hilft vielleicht bei der Erklärung.

Was ist ein Musiker? Normalerweise ein Mensch der, und hier wird es entscheidend, Intrumente bedient und damit Musikstücke erzeugt, komponiert, spielt. Wer gibt ihm jetzt das Geld dafür? Normalerweise niemand. Ist das gut? Vielleicht ist es notwendig. Man kann die Sache nämlich auch so sehen: 99 Prozent aller Musiker sind nichts als Konsumenten. Sie konsumieren Musikinstrumente. Warum sollte sie dafür jemand bezahlen?

Franz Kafka hat sinngemäß gesagt: Ich brauche keine schönen Texte für andere zu schreiben, jeder Mensch kann selbst Texte schreiben die ihm gefallen. Stimmt vielleicht. Jeder kann selbst Konsument von Bleistift und Textprogramm werden und Briefe, Mails, Tagebuch usw schreiben oder mit Leuten chatten…

Genauso ist es wohl bei der Musik. Jeder Mensch kann selbst Musik machen die ihm selbst gefällt. Indem er Instrumente bedient, die ihm die Hersteller der Instrumente zur Verfügung stellen.

Er kann vor sich hinpfeifen, Lieder trällern, mp3 Player abspielen oder selbst kreativ werden und mit Musik-software und Keyboard Stücke erstellen. Es ändert aber nichts daran, dass er sich als Konsument betätigt. Als Konsument von Musikersoftware und Instrumenten.

Genauso wie ein Gamer (Computerspielespieler) sich Computerspiele kauft und sich kreativ betätigt und es spielt, so kauft sich ein Musiker Software und Instrumente und betätigt sich kreativ und spielt sie. Aber keiner von beiden kann das Recht beanspruchen dafür bezahlt zu werden.

Anderes Beispiel: Zwei Menschen kaufen sich Tennisschläger und Sportbekleidung, mieten einen Tennisplatz und spielen ein tolles Match. Ok, es schauen einige Leute zu und erfreuen sich an dem spannenden Match, einem „Amateurmatch“. Nun könnten sich die beiden Tennispieler beklagen, dass die Zuschauer ihnen kein Geld bezahlen, wie einem Profispieler. Aber würde das Sinn machen? Die Tennisspieler hat niemand beauftragt. Die beiden Amateure sind keine Akteure die etwas für andere machen. Sie machen es in erster Linie für sich. Sie betätigen sich als Konsumenten der Sportartikelindustrie. Ihr Konsum ist: Trainieren, spielen, sich anstrengen, Taktik ausdenken, kreative Bälle schlagen usw. . Sie sind Konsumenten, wie wohl 99 Prozent aller Tennisspieler. Nur ganz wenige schaffen den Sprung vom Konsumenten zum bezahlten Akteur. Dazu müssen sie ihr Leben lang trainiert haben und sehr viel Talent haben und Glück dass nieman besser ist. Aber es wird immer eine erschreckend kleine Minderheit bleiben. Selbst wenn heute die schlechtesten Amateurspieler besser spielen als die besten Profis vor hundert Jahren.

Genauso bei der Musik.

Die besten Amateurmusiker machen heute Musik von der man vor einigen Jahrzehnten noch geträumt hat. Vor allem in der elektronischen Musik . Aber es wird wohl immer so sein, dass nur eine extrem kleine Minderheit soviel Aufmerksamkeit vom Publikum erhällt, dass genug Geld zusammenkommt um von der Musik zu leben. Die anderen betätigen sich als Konsumenten. Sie konsumieren Musikinstrumente um zu spielen, kreativ zu sein, zu komponieren oder Stücke nachzuspielen. Vielleicht schauen ihnen dabei einige zu. Aber in erster Linie machen sie das, was Franz Kafka sagte: Sie schreiben für sich selbst. Sie schreiben für sich selbst die Musik die ihnen gefällt. Jeder kann heutzutage Musik machen die ihm selbst gefällt. Er hat dann jeweils einen Zuhörer. Er muss sich also selbst bezahlen und finanzieren.

Auch wenn diese ganzen „Konsumenten-Musiker“ genau das selbe tun wie ein „Profi-Musiker“, vielleicht in kleinerer Ausführung, sie sind nichts weiter als Konsumenten der Musikinstrumentenindustrie.

Über 99 Prozent der Musiker sind Konsumenten der Instrumenten-Hersteller. Genauso wie über 99 Prozent der Sportler Konsumenten der Sportartikelindustrie sind und über 99 Prozent der Gamer Konsumenten der Computerspielindustrie sind.

Die Tragik liegt nun darin, dass es einige gibt, die in der Absicht Musik machen damit Geld zu verdienen. Da sie es aber nicht schaffen bleiben sie unbewusst und unfreiwillig in der Konsumentenrolle. Sie betätigen sich, um es wohlwollend zu formulieren, als „Lebenskünstler“. Im Extremfall besteht ihr ganzes Leben aus Konsum. Konsum von Wohnraum, Konsum von Lebensmitteln, Konsum von Kleidung, und Konsum von Musikinstrumenten. Aber niemand wird sie dafür bezahlen, dass sie ihre Wohnung besonders kreativ bewohnen, ihre Lebensmittel ausgesprochen schön zubereiten und essen, ihre Klamotten extravagant vortragen oder ihre Instrumente virtuos beherschen. Selbst wenn ihnen ab und zu mal jemand zuschaut…

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